Belletristik

 

Ewald Arenz Der Duft von Schokolade Mai 2010
Ewald Arenz Ehrlich & Söhne Mai 2010
Muriel Barbery Die Eleganz des Igels Januar 2010
David Benioff Stadt der Diebe Februar 2011
Tracy Chevalier Zwei bemerkenswerte Frauen Dezember 2010
Vanessa Diffenbaugh Die Sprache der Blumen Juni 2011
Natasa Dragnic Jeden Tag, jede Stunde Buchtipp Dez. 2011
Pai Kit Fai Die Tochter der Konkubine Mai 2011
Gayle Forman Wenn ich bleibe April 2010
Anne Hertz Sahnehäubchen März 2011
Gerhard Matzig Meine Frau will einen Garten Juli 2010
Terézia Mora Der einzige Mann auf dem Kontinent November 2009
Liane Moriarty Vergiss ihn nicht Januar 2011
Katharina Münk Die Insassen März 2010
Patrick Ness / Siobhan Dowd Sieben Minuten nach Mitternacht September 2011
Véronique Olmi Die erste Liebe Juli 2011
David Pfeifer Der Strand der Dinge Juli 2010
Ulrike Purschke Hendrijke, vorübergehend erschossen Mai 2011
Megan Callan Rogers Rubinrotes Herz, eisblaue See Februar 2012
David Safier Jesus liebt mich Februar 2010
Frauke Scheunemann Dackelblick April 2010
Martin Suter Allmen und die Libellen Januar 2011
Martin Suter Der Koch Februar 2010
Fabio Volo Noch ein Tag und eine Nacht Oktober 2011
Katherine Webb Das geheime Vermächtnis Februar 2012
Benedict Wells Fast genial Oktober 2011

Ewald Arenz
Der Duft von Schokolade

(dtv, 8.90 €)

Belletristik

Im Wien des ausgehenden 19. Jahrhunderts quittiert August Liebeskind seinen Militärdienst. Da er noch keine Ideen für seine weitere berufliche Zukunft hat, fängt er vorerst in der Schokoladenfabrik seines Onkels als Chocolatier an. Dann lernt er die geheimnisvolle Elena Palffy kennen und verliebt sich in sie. Für sie kreiert August die außergewöhnlichsten Pralinenmischungen und beide erleben einen leidenschaftlichen Sommer. Doch das Glück ist von kurzer Dauer - Elena hütet ein schreckliches Geheimnis und verschwindet nach einem Brand im Wiener Ringtheater spurlos.

Ein Roman, der neben einer romantischen Liebesgeschichte auch mit viel Spannung den Leser zu fesseln weiß. Während des Lesens schmeckt und riecht man förmlich die leckeren Pralinenmischungen, die August für seine Elena zaubert. Tipp: Schokolade in greifbarer Nähe toppt das Lesevergnügen!

Ute Beucher

Mai 2010


Ewald Arenz
Ehrlich & Söhne

( ars vivendi, 19.90 €)

Belletristik

Die Familie, in der Sam Ehrlich und seine Geschwister aufwachsen, ist alles andere als normal. Der Vater, ein studierter Philosoph, führt ein Bestattungsunternehmen, die beiden adoptierten Schwestern sorgen in der Nachbarschaft immer wieder für Aufsehen, seine Großmutter lebt als freischaffende Künstlerin in Berlin. Obwohl also mit Todesfällen durchaus vertraut, werden Sam Ehrlich und seine Familie in kürzester Zeit mit dem Tod der Großmutter, dem Auftauchen einer zwanzig Jahre alten Leiche, einer aus den Augen verlorenen Verwandten und einer zwielichtigen Gestalt aus der RAF-Szene konfrontiert.

Ewald Arenz erzählt mit liebevoll-sarkastischem Blick auf die Personen die Geschichte dieser sympathischen und bizarren Familie, die durch ihren Zusammenhalt auch die dunkleren Kapitel aus der Vergangenheit halbwegs stilvoll bewältigt. Er fasziniert den Leser durch ironische und humorvolle Brechungen, die seiner Geschichte unerwartete Wendungen geben. Immer wieder wechselt die Erzählperspektive, wird die aktuelle Handlung mit Rückblicken auf die Kindheit in den siebziger Jahren unterbrochen, ohne dass der rote Faden verlorengeht.
Ein großartiger, unterhaltsamer Roman!

Norbert Johannes und Gerti Greil

Mai 2010


Muriel Barbery
Die Eleganz des Igels

(dtv, 9.90 €)

Belletristik

Madame Michel, verwitwet, 54 Jahre alt, arbeitet seit 27 Jahren als Concierge in einem noblen Pariser Stadthaus. Überaus begabt und sehr gebildet, versteckt sie sich hinter der Fassade der einfachen Concierge, um in aller Ruhe ihre Streifzüge durch die Klassiker der Weltliteratur zu unternehmen und bissig über den Sinn des Lebens zu philosophieren. Paloma, 12 Jahre alt, Kind reicher Eltern wohnt ebenfalls dort und kann der Nichtigkeit des Erwachsenenlebens nichts abgewinnen und plant ihren Selbstmord. Als eine Wohnung frei wird und Monsieur Ozu, ein japanischer Geschäftsmann einzieht, verändern sich die eingespielten Strukturen.

Ein sehr feinsinniges, philosophisches Buch gewürzt mit einer Prise Humor. Sehr berührend durch die detaillierte Beschreibung der Gefühlswelt der einzelnen Hausbewohner und tiefgründig in Hinblick auf die philosophischen Aspekte des Lebens.

Ute Beucher

Januar 2010


David Benioff
Stadt der Diebe

(Heyne, 9.95 €)

Belletristik

Russland im Kriegswinter 1942: Der 17jährige, schüchterne Lew Beniow lebt alleine in Leningrad, nachdem sein Vater ermordet und seine Mutter und Schwester aus der Stadt geflüchtet sind. Er schlägt sich mit einer Gruppe von Jugendlichen durch die von Deutschen bedrohte Stadt, immer auf der Suche nach etwas Essen und Schutz vor den Bombenangriffen. Als er einen toten, deutschen Soldaten ausraubt und dabei erwischt wird, landet er im Gefängnis. Mit ihm in der Zelle sitzt der 19jährige, redegewandte Kolja, der als Deserteur eigentlich ebenso wie Lew mit der Todesstrafe zu rechnen hat. Allerdings hat der Geheimdienstchef von Leningrad etwas anderes mit den beiden vor: Wenn sie ihm innerhalb kürzester Frist 12 Eier für die Hochzeitstorte seiner Tochter besorgen, gilt „Eier gegen Leben“. Lew und Kolja machen sich auf eine gefährliche und abenteuerliche Suche durch das ausgehungerte Leningrad und versuchen diese fast unlösbare Aufgabe zu bewältigen.

Ein außergewöhnlicher Roman über eine wunderbare Freundschaft zweier sehr unterschiedlicher Charaktere inmitten furchtbarer Kriegswirren. Trotz des schwierigen Themas erzählt der Autor die Geschichte seines Großvaters mit einer literarischen Leichtigkeit, die das Buch zu einem Lesevergnügen macht.

Ute Beucher

Februar 2011


Tracy Chevalier
Zwei bemerkenswerte Frauen

(Knaus, 19.99 €)

Belletristik

Durch ihr Buch „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“, das die Geschichte der kleinen Magd erzählt, die Vermeer in seinem berühmten Gemälde verewigte, wurde Tracy Chevalier bekannt als Spezialistin für die belletristische Umsetzung von historischen Fakten.

In ihrem neuen Roman stellt die Autorin zwei Frauen ins Zentrum, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts die männlich beherrschte Welt der Naturforscher herausforderten. Elizabeth Philpot ist eine junge Frau aus besseren Kreisen, deren Familienerbe nicht zu einem standesgemäßen Leben in London reicht. Daher zieht sie zusammen mit ihren beiden unverheirateten Schwestern in den kleinen südenglischen Küstenort Lyme Regis. Was ihr zunächst wie eine Verbannung vorkommt, erweist sich als glückliche Fügung, denn am Strand nehmen seltsame Steine sie völlig gefangen: Fossilien. Sie begegnet dort der jungen Mary Anning, einem Mädchen aus ärmlichen Verhältnissen, das einen guten Blick für Fossilien hat und die Familie mit deren Verkauf ernährt. Die beginnende Freundschaft der beiden ungleichen Frauen ist nicht nur den besseren Kreisen ein Dorn im Auge, sie wird auch auf eine harte Probe gestellt, als sich beide in den selben Mann verlieben.

Tracy Chevalier ist ein bewegender, dichter Roman gelungen, der die Atmosphäre der damaligen Zeit gut widerspiegelt: von der Ablehnung Darwins, der Leugnung wissenschaftlicher Erkenntnisse bis hin zur absurden Zurschaustellung der gefundenen großen Fossilien, nicht zu vergessen, der Rolle, die Frauen damals zu spielen hatten.

Beate Laufer-Johannes

Dezember 2010


Vanessa Diffenbaugh
Die verborgene Sprache der Blumen

(Droemer, 19.99 €)

Belletristik

Victoria Jones lässt niemanden näher an sich heran, sie ist abweisend und aggressiv. Kein Wunder, wurde sie doch nach ihrer Geburt von ihrer Mutter abgelehnt und zwischen Waisenhäusern und Pflegefamilien hin und her gereicht. Ihre einzige Liebe gilt den Blumen, sie hat ein Händchen für geschmackvolle Sträuße. Ihr Wissen geht dabei weit über das einfache Arrangieren hinaus: Sie kennt sich in der Sprache der Blumen aus, ihre Zusammenstellungen können Veränderungen bewirken. Mit achtzehn Jahren kann sie das Waisenhaus zwar endlich verlassen, zunächst ist sie jedoch obdachlos und allein, bis sie eine Stelle in einem Blumenladen findet. Als sie auf dem Großmarkt den Blumenhändler Grant kennenlernt und Gemeinsamkeiten entdeckt, scheint auf einmal alles möglich zu sein...

Als Leser empfindet man große Zuneigung für Victoria, auch wenn man sie manchmal schütteln könnte, weil sie sich immer wieder Wege verbaut. Ein wunderbar sinnliches und empfindsames Buch über ein außergewöhnliches Frauenschicksal, das eine längst vergessene Sprache aus dem viktorianischen Zeitalter wiederbelebt.

Beate Laufer-Johannes

Juni 2011


Natasa Dragnic
Jeden Tag, jede Stunde

(DVA, €)

Belletristik

Dora und Luka lernen sich im Kindergarten kennen und sind fortan unzertrennlich und ungewöhnlich eng miteinander verbunden. Lange Sommertage verbringen sie zusammen an einem abgeschiedenen Strandabschnitt ihres kleinen kroatischen Fischerdorfs. Als Dora mit ihren Eltern nach Paris zieht, ist dies für die Kinder daher ein großer Schock, der Kontakt bricht zwangsweise ab. Nach vielen Jahren treffen sie sich als Erwachsene zufällig bei einer Kunstausstellung in Paris wieder und es ist, als ob sie sich erst gestern zum letzten Mal gesehen hätten: Sie sind einander sofort verfallen. Doch die Umstände scheinen sich gegen sie verschworen zu haben...


In einer wunderschönen, poetischen Sprache lässt uns die Autorin an der bitter-süßen Liebesgeschichte von Dora und Luka teilhaben: Ein wahrhaft berührendes Debüt der gebürtigen Kroatin, die seit vielen Jahren in Erlangen lebt.

Beate Laufer-Johannes

Dezember 2011


Pai Kit Fai
Die Tochter der Konkubine

(Goldmann, €)

Belletristik

China 1906: Ein Mädchen ist nicht viel wert, es sei denn, sie hat Lotusfüße. Das ist der Grund, warum der wohlhabende dreiundsiebzigjährige Bauer Yik Munn die sehr junge Pai Ling als vierte Frau kauft. Sie stammt aus einer ehemals reichen und angesehen Familie in Shanghai, aber in seinem Haus stößt sie nur auf Ablehnung, Hass und körperliche Gewalt. Als sie ein Kind bekommt, ist es ein nutzloses Mädchen und der Bauer beschließt, den Säugling lebendig zu begraben. Verzweifelt stürzt sich Pai Ling aus dem Fenster in den Tod, ihre Tochter Li Xia entkommt ihrem grausigen Schicksal durch die Erscheinung eines Fuchses, den der abergläubische Bauer als Warnung einer Göttin ansieht. Das Kind darf am Leben bleiben, aber auch ihr sollen die Füße gebunden werden, um später als Konkubine besser verkauft werden zu können. Li Xia widersetzt sich ihrem Schicksal, kann aber nicht verhindern, dass sie als Achtjährige an den Besitzer einer Seidenplantage verkauft wird, wo sie harte Arbeit verrichten muss. Doch sie ist klug und stark und hat Erwartungen an das Leben. Ihr Schicksal wendet sich zum Guten, als ihr eines Tages der englische Kapitän Ben Deveraux das Leben rettet. Beide verlieben sich und haben Pläne für die Zukunft, aber bösartige Personen aus Bens Vergangenheit und der näheren Umgebung werden zur lebensgefährlichen Bedrohung.

Ein mitreißender und spannender Roman vor der Kulisse eines Landes im Umbruch.

Sybille vom Dorp

Mai 2011


Gayle Forman
Wenn ich bleibe

(Blanvalet, 16.95 €)

Belletristik

Mia ist 17 Jahre alt und eine begabte Cellistin mit großen Plänen für die Zukunft. Sie hat eine liebevolle, leicht chaotische Familie und ist glücklich verliebt in Adam, der ihre Liebe zur Musik teilt. An einem verschneiten Tag im Februar ändert sich alles. Auf dem Weg zu den Großeltern hat die Familie einen Autounfall, bei dem Mias Eltern und ihr kleiner Bruder umkommen. Sie selbst kann in letzter Minute gerettet werden und liegt nun im Koma im Krankenhaus. Allerdings ist ihr Zustand so ernst, dass noch nicht klar ist, ob sie überlebt. Mias Geist hat sich vom Körper getrennt und sie kann die verzweifelten Bemühungen der Ärzte, ihrer Familie und Freunde miterleben. Schließlich erkennt sie, dass es allein an ihr liegt, ob sie bleibt oder ihrer Familie folgt. In Rückblenden erinnert sie sich an ihr bisheriges Leben, an die Liebe zu ihrer Familie, zu Adam und vor allem zur Musik.

Wenn ich bleibe ist ein außergewöhnlich berührendes Buch, das dem Leser noch lange nachgeht. Eine wunderbar zart erzählte, tragische und doch hoffnungsvolle Geschichte voller Musik. Besonders für junge und jung gebliebene Leserinnen. Achtung: Eine große Packung Taschentücher sollten bei der Lektüre unbedingt griffbereit sein!

Sybille vom Dorp

April 2010


Anne Hertz
Sahnehäubchen

(Knaur, 8.99 €)

Belletristik

Normalerweise liebt Nina Seefeld ihre Arbeit in einer Werbeagentur, aber der neue Auftrag des großen Verlagshauses Weidner lässt ihren Magen revoltieren: Ausgerechnet sie soll sich um den amerikanischen Erfolgsautor Dwaine F. Bosworth kümmern und seinen frauenverachtenden amerikanischen Bestseller „Ich kann sie alle haben!“ auf dem deutschen Markt in die Stratosphäre katapultieren. Dazu muss sie mit dem vor Selbstbewusstsein strotzenden Autor auf Lesereise gehen, nur unterstützt von ihrem Praktikanten Tom Weidner, dem Sohn des mächtigen Verlagschefs. Und so zieht das Trio durch die deutsche Provinz und das Buch feiert tatsächlich Triumphe! Und Nina muss feststellen, dass Macho Dwaine sehr charmant sein kann - aber da ist ja auch noch Tom mit den Hundeaugen...

Ein wunderbar fröhliches, leichtes und sehr turbulentes Buch, natürlich mit Happy End. Die ideale Lektüre für entspannte Urlaubstage, ob zu Hause oder unterwegs.

Sybille vom Dorp

März 2011


Gerhard Matzig
Meine Frau will einen Garten

( Goldmann, 17.95 €)

Belletristik

Gerhard Matzig ist eingefleischter Stadtbewohner, seine Frau und die drei Kinder sehnen sich nach dem Leben auf dem Lande: Sie träumen von einem Haus im Grünen, mit viel Platz zum Toben, ohne Großstadtlärm. Und dieses Leben schildern sie in so glühenden Farben, dass der Vater einfach nachgeben muss. So einfach ist die Suche nach einem passenden Haus in ländlicher Idylle aber nicht. Daher reift immer mehr der Entschluss, ein eigenes Haus zu bauen. Und damit fangen die Pleiten und Pannen erst an...

Der SZ-Redakteur hat das ideale Vorbereitungsbuch für alle Bauwilligen geschrieben, humorvoll, augenzwinkernd und liebenswert. Bevor Sie Ihrem Wunsch nach einem Eigenheim nachgeben, lesen Sie lieber erst mal dieses Buch. Wenn Sie dann noch bauen wollen, ist es offensichtlich wirklich ein Herzensbedürfnis!

Beate Laufer-Johannes

Juli 2010


Randy Susan Meyers
Heute und in Ewigkeit

(Diana, 19.95 €)

Belletristik

Lulu und ihre jüngere Schwester Merry haben Erschütterndes erlebt: Die zehnjährige Lulu musste mit ansehen, wie ihr Vater vor ihren Augen die von ihm getrennt lebende Mutter ermordete und die damals sechsjährige Merry schwer verletzte. Von den Angehörigen der Mutter abgelehnt, landen beide Mädchen zunächst im Waisenhaus, bis sich eine Familie findet, die sie aufnimmt. Glück und familiäre Geborgenheit erfahren sie nicht, aber zumindest materielle Sicherheit. In der gefühlskalten Umgebung gibt ihnen der schwesterliche Zusammenhalt ein bißchen Trost und Halt. Die unterschiedliche Sicht der beiden Schwestern auf die Familientragödie lässt sie einander zunehmend fremd werden: Lulu verleugnet ihren Vater, während Merry sich verpflichtet fühlt, ihn immer wieder im Gefängnis zu besuchen.

Welche Auswirkungen haben häusliche Gewalttaten auf die Familie? Wie können Geschwister noch einen familiären Zusammenhalt bilden, wenn sie von der übrigen Familie im Stich gelassen werden? Ein berührendes Buch, das mich sehr bewegt hat, mit einem Schimmer der Hoffnung, dass auch schwerwiegende Traumata überwunden werden können.

Beate Laufer-Johannes

November 2010


Terézia Mora
Der einzige Mann auf dem Kontinent

(Luchterhand, 21.95 €)

Belletristik

Darius Kopp ist ein wahrer Held des Alltags, zumindest seiner Meinung nach. Er ist Repräsentant einer amerikanischen Firma für drahtlose Netzwerke, zuständig für den Vertrieb in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Osteuropa. Nach der Wende ging es für den Ostdeutschland geborenen Darius beruflich und auch privat immer bergauf. Doch jetzt leidet die Branche unter schlechter Zahlungsmoral und Auftragsrückgang. Darius aber leidet hauptsächlich unter seinem Führerscheinentzug und negiert alle negativen Anzeichen, die zeigen, dass sich sein berufliches Dasein unwiderruflich ändern wird. Ein alltagsuntauglicher IT-Mann ist dieser Darius, hält große Reden, ist aber bereits bei Termineinhaltungen überfordert und müllt sein Büro immer mehr zu. Wichtig fühlt er sich nur, wenn er mit Handy und Laptop hantieren kann und damit an die große weite Welt angeschlossen ist.

Sprachlich anspruchsvoll wechselt Terézia Mora die Perspektive, oft sogar mitten im Satz. Man kommt dadurch dem Protagonisten ungewohnt nah. Atemlos folgt man Darius durch eine Woche in seinem Leben, spürt jeden einzelnen Gedanken, jede Unsicherheit, jede Verdrängung der Realität.

 

Beate Laufer-Johannes

November 2009


Liane Moriarty
Vergiss ihn nicht

( Bastei Lübbe, 8.99 €)

Belletristik

Alice ist 29, überglücklich mit ihrem Ehemann Nick und schwanger mit ihrem ersten Kind. Das zumindest glaubt sie, als sie nach einem Sturz, bei dem sie kurzzeitig das Gedächtnis verloren hat, wieder aufwacht. Doch nach und nach wird ihr sehr schmerzlich bewusst, dass alles anders ist. Die Erinnerung an die letzten 10 Jahre ihres Lebens sind gelöscht, Alice ist in Wirklichkeit Anfang 40 und ihr Leben erscheint ihr als ein einziger Trümmerhaufen. Schockiert macht sie sich auf die Suche nach ihrer Vergangenheit. Wie konnte sie der Mensch werden, der sie jetzt ist? Was ist nur aus ihren Träumen, ihren Erwartungen an das Leben und vor allem aus ihrer großen Liebe geworden? Und Alice beginnt um Nick zu kämpfen, bis die Erinnerungen langsam wieder zurückkommen...

Ein sehr berührender Roman (ich musste das Buch beim Zugfahren kurz weglegen, um nicht zu weinen...), der nachdenklich stimmt. Wie werde ich in zehn Jahren sein? Was werden die Realität und die Umstände des Lebens aus meinen Träumen machen? „Vergiss ihn nicht“ werden Sie nicht mehr vergessen!

Beate Barnickel (Kundenrezension)

Januar 2011


Katharina Münk
Die Insassen

(dtv, 13.90 €)

Belletristik

Drei ausgebrannte Topmanager treffen in der Nervenheilanstalt St. Ägidius zusammen. Dort sollen sie allmählich wieder auf den Berufsalltag vorbereitet werden. Das Patientendasein befriedigt vor allem Dr. Wilhelm Löhring nicht. Er weigerte sich nach seiner Verabschiedung als Finanzvorstand seinen Schreibtisch zu verlassen, und seine Frau konnte ihn überreden, sich selbst nach St. Ägidius einzuweisen, weil er denkt, dass er die Anstalt für den Börsengang bereit machen soll. Mit den Patienten Winter und Wienkamp hat er nun genau die richtigen Macher an seiner Seite. Sie tun das, was sie am besten können: Sie erstellen einen ausgeklügelten Businessplan. Mit allerlei Tricks und Finessen gelingt es ihnen nicht nur, eine kompetente Chefsekretärin zu rekrutieren, sondern auch der kapitalgebenden Bank ein florierendes Unternehmen vorzuspielen.

Eine köstliche Satire auf die Leichtgläubigkeit der Anleger angesichts beeindruckender Zahlen, Statistiken und Renditeerwartungen. Katharina Münk war Chefsekretärin, beherrscht virtuos die Fachsprache der Wirtschaft, die den Blick so leicht vernebeln kann...

Beate Laufer-Johannes

März 2010


Patrick Ness / Siobhan Dowd
Sieben Minuten nach Mitternacht

(Goldmann, 16.99 €)

Belletristik

Der 13-jährige Conor O`Malley wächst alleine mit seiner unheilbar an Krebs erkrankten Mutter in England auf. Die Eltern sind getrennt, der Vater hat mittlerweile eine neue Familie in Amerika gegründet, seine Besuche werden immer rarer. Conor versucht seine Mutter tatkräftig zu unterstützen, trotz eigener Probleme. In der Schule ist er ein Außenseiter und wird gemobbt, nachts quält ihn immer der gleiche Alptraum, der exakt um sieben Minuten nach Mitternacht beginnt. Als sich der Zustand seiner Mutter zusehends verschlechtert, erscheint eines Nachts ein gigantisches Wesen vor seinem Fenster, die alte Eibe aus dem Garten und will Conor drei bedeutsame Geschichten erzählen. Jede Nacht erscheint nun die Eibe, steht ihm in den schwersten Stunden seines Lebens bei und wird zum besten Freund und Beschützer.

Ein wunderbares Buch über den Prozeß des Loslassens aus der Sicht eines 13-jährigen Jungen. Die Eibe als Sinnbild für das Leben selbst, mit all seinen Höhen und Tiefen, verpackt in eine sehr berührende Geschichte, die einen trotz der Traurigkeit getröstet und voll Mut zurücklässt.

Sehr bewegend fand ich, dass Siobhan Dowd die Geschichte nicht selbst zu Ende schreiben konnte, da sie 2007 ihrem Krebsleiden erlag.

Ute Beucher

September 2011


Véronique Olmi
Die erste Liebe

(Antje Kunstmann, 19.90 €)

Belletristik

Emilie hat alles im Griff. Mehr als das, sie ist eine taffe Ehefrau und liebende Mutter, die mit beiden Beinen voll im Leben steht. Ihre Ehe hält seit 25 Jahren und das Verhältnis zu ihren Töchtern scheint mustergültig zu sein. Doch am Tag ihres 25. Hochzeitstages gerät ihr Leben schlagartig aus den Fugen: Emilie wickelt eine teure Flasche Wein aus dem Zeitungspapier, dabei fällt ihr Blick auf eine Anzeige auf dieser herausgerissenen Seite: "Emilie, Aix 1976. Komm so schnell wie möglich zu mir nach Genua. Dario." Diese Anzeige soll ihr Leben verändern. Ist es ihre Jugendliebe Dario, den sie seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht mehr gesehen und gesprochen hat? Kann das wirklich sein? Emilie lässt alles stehen und liegen - die brennenden Kerzen im Wohnzimmer löscht sie noch geistesgegenwärtig - und macht sich auf die Reise nach Genua. Eine Reise voll verwirrender Eindrücke, Gefühle und Sehnsüchte.

Véronique Olmi hat mit ihrem neuen Roman wieder einmal ins Schwarze getroffen. Hierzulande noch relativ unbekannt, schrieb sich die Französin mit Romanen wie "Meeresrand" und "Ihre Leidenschaft" in die Herzen Vieler. Faszinierend an ihrem Schreibstil ist die Nüchternheit ihrer Wortwahl, die, so auf das Wesentliche reduziert, viele Leser tief berührt, ohne jemals kitschig zu wirken. "Die erste Liebe" ist ein bewegendes Buch über Vergangenheit und Gegenwart, Liebe und Leid und die Suche nach der wahren Liebe.

Sara Claeys

Juli 2011


David Pfeifer
Der Strand der Dinge

(Dumont, 19.95 €)

Belletristik

Philip Denhart hat es bereits mit Mitte Zwanzig geschafft! Als kreativer Kopf einer jungen Mannschaft, die im IT-Bereich Dienstleistungen anbietet, macht er mit wolkigen Worten und vielen Floskeln garniert seinen Kunden die Projekte schmackhaft. Er wird zu den angesagtesten Partys eingeladen und verfügt schnell über eine angemessene Designerwohnung. Doch dann platzt die IT-Blase und schnell ist Philipp auf dem Boden der Tatsachen angelangt: Ohne Job, ohne richtige Berufsausbildung und ohne Bedeutung. Er zieht in eine WG zu dem Lebenskünstler und Schnorrer Nils, nicht unbedingt ein sympathischer Zeitgenosse, aber jemand, der sein Leben gar nicht anders leben will und jeden Abend in der Szene herumhängt. Und Philipp? Der hat nun plötzlich alle Zeit der Welt und keinen Plan, diese auszufüllen.

David Pfeifer hat einen melancholischen Roman über das Leben nach dem Crash geschrieben. Die Hilflosigkeit der Hauptfigur, das Definieren des eigenen Selbstwertgefühls über die berufliche Stellung und der dramatische Abstieg der eigenen Bedeutung, das lässt den Leser nachdenklich zurück. Eine Patentlösung bietet der Autor nicht, aber eine Aussicht auf ein Leben nach dem Bedeutungsverlust. Und das ist tröstlich!

Beate Laufer-Johannes

Juli 2010


Ulrike Purschke
Hendrikje, vorübergehend erschossen

(dtv, 7.95 €)

Belletristik

Ist es denn so schwer, alles richtig zu machen? Oder andersherum gefragt: Warum muss uns das Leben manchmal so in die Pfanne hauen?

Genau dieselben Fragen stellt sich Hendrikje auch. Im einen Moment scheint alles noch in Ordnung zu sein: tagsüber Kellnerin, des Nachts Malerin. Einen Freund und die Oma hat sie auch an der Seite. Doch durch selten tragische Umstände verliert Hendrikje all das schlagartig und steht völlig alleine da. Der für sie einzige Ausweg: Selbstmord. Aber selbst der glückt ihr nicht… Sodann wollen ihre Freunde nach-helfen, was dazu führt, dass Hendrikje im Gefängnis sitzt und einer spießig-unterkühlten Psychologin ihre Lebensgeschichte erzählt.

Ein wunderbar warmherziger Roman für Frauen jeden Alters! Purschke erzählt die Geschichte einer jungen Frau, deren Charakterzüge – seien wir mal ehrlich - jeder von uns schon einmal an sich aufgefallen sind… Humorvolle Unterhaltung mit Tiefgang!

Sara Claeys

Mai 2011


Megan Callan Rogers
Rubinrotes Herz, eisblaue See

(Knaur, 9.99 €)

Belletristik

Die elfjährige Florine wächst liebevoll umsorgt in einem kleinen Fischerdorf an der Küste Maines auf. Carlie, ihre unkonventionelle, schöne Mutter arbeitet als Kellnerin in einem Restaurant, und ihr Vater, der bodenständige Leemann verdingt sich als Hummerfischer. Als Carlie von einer kleinen Urlaubsreise mit einer Freundin nicht mehr zurückkehrt, bricht Florines glückliche Kindheit zusammen. Die schreckliche Ungewissheit, ob ihre Mutter vielleicht freiwillig den engen Hierarchien des Dorfes entfliehen wollte oder einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist, klärt sich nie. Florine gibt die Hoffnung nie auf und macht sich selbst, unterstützt von ihren drei besten Freunden, auf die Suche nach ihrer Mutter, leider ergebnislos. Als der Vater sich neu verliebt, flüchtet Florine zu ihrer Großmutter Grand, und findet letztendlich einen eigenen Weg mit ihrer Trauer um zugehen.

Ein wirklich berührender Roman, welcher sehr emotional die Thematik des Verlusts eines geliebten Menschen beschreibt, ohne sentimental oder kitschig zu werden.

Ute Beucher

Februar 2012


David Safier
Jesus liebt mich

(Rowohlt, 8.95 €)

Belletristik

Marie hat ein außerordentliches Talent, sich immer in die falschen Männer zu verlieben. Ihrem letzten gibt sie sogar direkt vor dem Traualtar den Laufpass, woraufhin er sie aus der gemeinsamen Wohnung wirft. Sie verkriecht sich in ihrem alten Kinderzimmer im Haus ihrer Eltern, kommt aber auch dort nicht zur Ruhe, vergnügt sich doch ihr Vater mit seiner blutjungen, russischen Freundin. Zu allem Überfluss ist die Zimmerdecke undicht, der Dachstuhl muss repariert werden. Zimmermann Joshua, der nun auftaucht, fasziniert Marie über alle Maßen. Doch schon beim ersten Rendezvous eröffnet er Marie, dass er Jesus ist und wegen des Jüngsten Gerichts auf die Erde zurückgekommen ist.

Anfangs dachte ich noch, einen typischen, witzigen Frauenroman vor mir zu haben. Dieses Buch ist aber weitaus mehr, denn Safier ist es bei aller schnoddrigen Witzelei ernst mit der Geschichte des Weltengerichts. Und den Spagat zwischen Komik und Ernsthaftigkeit beherrscht der Autor vorzüglich.

Beate Laufer-Johannes

Februar 2010


Frauke Scheunemann
Dackelblick

(Page & Turner, 14.95 €)

Belletristik

Herkules ist ein kleiner Dackelwelpe. Leider nicht ganz reinrassig, sondern das Ergebnis einer Liaison seiner Mutter mit einem Terrier. Deshalb landet er in einem Tierheim, findet jedoch ganz schnell in der Geigenbauerin Carolin ein neues Frauchen und angenehmes Heim. Alles wäre perfekt, wäre da nicht Carolins Freund Thomas, der Hunde nicht leiden kann und auch sonst ein ziemlicher unsympathischer Geselle ist. Mit Hilfe seines ehemaligen Erbfeindes und in der Krise neugewonnenen Freundes, des Rechtsanwaltskaters Herrn Beck, kann Herkules den fiesen Thomas beim Fremdgehen erwischen und somit aus Carolins Leben herausradieren. Aber Herkules braucht zum Glücklichsein ein ganzes Rudel und dazu feht ein neues Herrchen! Die beiden ungleichen Freunde gehen stellvertretend für Carolin auf Männerfang.

Mit "Dackelblick" ist der Autorin ein amüsanter, heiterer und beschwingter Roman gelungen. Aus der Perspektive eines kleinen Dackels verfolgt der Leser eine sommerlich-zarte Liebesgeschichte. Lesestoff nicht nur für Hundefreunde, sondern eine ideale Bereicherung für jeden Urlaubskoffer.

Sybille vom Dorp

April 2010


Martin Suter
Allmen und die Libellen

(Diogenes, 18.90 €)

Belletristik

Allmen und Carlos sind schon ein ungewöhnliches Gespann, ist doch der ursprünglich reiche Kunstsammler und Lebemann Allmen mittlerweile verarmt und wohnt bei seinem früheren Butler Carlos im bescheidenen Gärtnerhaus seiner ehemaligen Villa. Viele der exquisiten Kunstgegenstände sind mittlerweile für den täglichen Unterhalt verkauft worden, doch an der Gesamtsituation hat sich nichts Wesentliches geändert: Allmen lebt weiterhin weit über seine Verhältnisse und hat sich bei zwielichtigen Gestalten verschuldet. Mit kleinen Diebereien hält er so einigermaßen die Balance, als er von einer jungen Frau in der Villa ihres reichen Vaters verführt wird und dort fünf wunderbare Jugendstil-Schalen mit Libellendekor entdeckt, die seine finanziellen Probleme auf einen Schlag lösen könnten.

Allmen erinnert an einen modernen Felix Krull, in gewohnt leichter Manier von Suter skizziert. Resultat: Eine unbeschwerte Lektüre für zwischendurch.

Beate Laufer-Johannes

Januar 2011


Martin Suter
Der Koch

(Diogenes, 21.90 €)

Belletristik

Der tamilische Asylant Maravan ist zwar in der Schweiz in Sicherheit vor dem Bürgerkrieg in Sri Lanka, sein Traum, als innovativer Koch zu arbeiten, ist jedoch in weite Ferne gerückt. Dabei hat ihn seine Großtante in die Geheimnisse der erotischen Kochkunst eingeweiht, und er war ein sehr gelehriger Schüler. Sein Geld verdient er als Küchenhilfe in einem Züricher Gourmetlokal, seine Familie in der Heimat ist dringend auf seine finanzielle Unterstützung angewiesen. Maravan kann seine Leidenschaft fürs Kochen nicht unterdrücken, schließlich verliert er dadurch sogar seine Stelle. Seine Kollegin Andrea ist begeistert von seinen ungewöhnlichen Kochkünsten und ermutigt ihn zu einem verschwiegenen Deal: Zusammen betreiben sie die Firma Love Food, einen speziellen Cateringservice für Liebesmenüs.

Martin Suter gebührt Dank dafür, dass er auf die Situation der tamilischen Asylbewerber in der Schweiz aufmerksam macht. Und dies tut er in seiner unnachahmlichen Art und Weise: Literarisch anspruchsvoll, dabei leicht zu lesen, mit einer Geschichte, die unter die Haut geht. Und so ganz nebenbei erfährt der Leser alles Wissenswerte über die molekulare Küche. Eben ein typischer Suter!

Beate Laufer-Johannes

Februar 2010


Fabio Volo
Noch ein Tag und eine Nacht

(Diogenes, 9.90 €)

Belletristik

Giacomo, 35 Jahre alt, betreibt zusammen mit einem Freund eine kleine Druckerei in einer italienischen Großstadt. Sein Leben als Single genießt er in vollen Zügen und vernascht Frauen, wie es ihm gerade mal gefällt. Doch sein Lotterleben nimmt schlagartig ein Ende, als er auf dem täglichen Weg in die Arbeit in der Straßenbahn eine junge Frau kennenlernt. Sie fasziniert ihn zunehmend, und er fühlt sich magisch zu ihr hingezogen. Eines Tages spricht Michaela ihn an und lädt ihn zu einem Kaffee ein, um ihm gleichzeitig mitzuteilen, daß sie ab morgen in New York arbeiten wird. Giacomo ist bestürzt und reist seiner unbekannten Schönen nach qualvollem Entscheidungsdruck einfach hinterher. Nun beginnt eine wundervolle Liebesgeschichte zwischen zwei Freigeistern, die sich für eine Verlobung auf Zeit entscheiden, damit immer wieder neu geprüft werden kann, ob ihre Liebe noch Bestand hat. Doch letztendlich finden sie für immer zueinander.

Ein zeitloses Liebesmärchen, welches das wundervolle Gelingen einer außergewöhnlichen Beziehung aufzeigt, fernab jeglicher Konventionen. Es macht Mut, Liebe auch einmal in einer anderen Version auszuprobieren. Fabio Volo entzückt durch seinen humorvollen, leichten Schreibstil und schafft es gleichzeitig, die gefühlvolle Geschichte ohne üblichen Kitsch zu erzählen.

Ute Beucher

Oktober 2011


Katherine Webb
Das geheime Vermächtnis

(Diana, 9.99 €)

Belletristik

Die Schwestern Erica und Beth erben von ihrer ungeliebten Großmutter Caroline das Herrenhaus "Storton Manor". Bedingung für das Erbe ist, dass sie beide das Haus zusammen bewohnen, eine schwierige Sache, spielen doch unliebsame Erinnerungen an ihre Kindheit in diesem Haus eine große Rolle. Ihr Cousin Henry verschwand mit zwölf Jahren spurlos, ein Trauma, an dem Beth fast zerbrochen ist. Trotzdem will Erica den Versuch wagen, glaubt sie doch, durch die Bewältigung der Vergangenheit ihrer schwer depressiven Schwester helfen zu können. Bei der Entrümpelung stoßen die beiden Frauen auf alte Briefe, die ihre Großmutter in einem völlig neuen Licht erscheinen lassen.

Eine bewegende Familiensaga, die in drei Zeitebenen spielt, und uns nicht nur in eine fremde Vergangenheit, sondern auch in die verstörenden Tiefen des menschlichen Herzens führt. Spannende Unterhaltung für ein langes Wochenende!

Beate Laufer-Johannes

Februar 2012


Benedict Wells
Fast genial

(Diogenes, 19.90 €)

Belletristik

Der 18-jährige Francis Dean wohnt mit seiner geschiedenen, depressiven Mutter Katherine in einem heruntergekommenen Trailerpark in Claymont. Tür an Tür mit Kleinkriminellen, Arbeitslosen und Dealern fühlt sich Francis immer mehr als Loser. Von seinem Vater weiß er nichts, seine Mutter schweigt. Als Katherine einen massiven, psychischen Zusammenbruch erleidet und zum wiederholten Male in der Klinik landet, lernt Francis dort die junge Anne-May Gardener kennen. Anne-May, Tochter eines renommierten Architekten, hat einen Selbstmordversuch hinter sich, da sie sich die Schuld am Unfalltod ihres kleinen Bruders gibt. Mit einer Überdosis Tabletten versucht Katherine ihrem Leben ein Ende zu setzen und hinterlässt einen Abschiedsbrief, aus dem Francis erfährt, dass er ein Retortenbaby ist und in der „Samenbank der Genies“ erzeugt wurde. Mit Hilfe von seinem besten Freund Grover und Anne-May macht sich Francis auf die Suche nach seinem Vater, reist quer durch die USA und findet am Ende nicht nur seinen Erzeuger, sondern auch sich selbst.

Mit sprachlicher Versiertheit gelingt es Benedict Wells den Leser mit auf eine abenteuerliche Reise zu nehmen. Mit dem außergewöhnlichen Ende der Geschichte landet er zudem einen Überraschungscoup.

Ute Beucher

Oktober 2011